Diplom-Rundgang an der HGB Leipzig 2020

Vom 8. bis zum 11.10.2020 präsentierten rund 80 Diplomant*innen der verschiedenen Fachbereiche an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig ihre Abschlussarbeiten. Wir haben uns für euch ein wenig umgeschaut und berichten vom Rundgang.

Dieses Jahr auch digital

In diesem Jahr wurde damit begonnen, die Abschlussarbeiten der Absolvent*innen auch digital zu präsentieren. Damit soll, auch für die Zukunft, ein Archiv geschaffen werden, welches das künstlerische Schaffen an der HGB Leipzig fortlaufend abbildet und dokumentiert. Das Konzept ist interessant: Die Kunstschaffenden werden auf einer Karte angeordnet. Jede*r von ihnen muss keine, eine oder mehrere Tendenzen auswählen, die auf die Arbeit zutreffen. Die Begriffe, die zur Wahl stehen sind: solid, soft, dense, open, dynamic und static (deutsch: fest, weich, dicht, offen, dynamisch, statisch). Jeder der Begriffe ist mit einer Farbe verknüpft, die bei Auswahl einzelne Bereiche der Karte einfärbt uns Assoziationen weckt. Anhand der Angaben werden die Arbeiten auf der Karte verordnet. Damit ergeben sich sowohl für die Betrachtenden, als auch für die Künstler*innen selbst, neue Blickwinkel auf die Arbeiten und neue Deutungsebenen öffnen sich. Nebenbei entsteht eine eigenständige Grafik, die das Schaffen an der HGB Leipzig abbildet.

Mehr findet ihr unter Tendencies 2020

Der Diplom-Rundgang vor Ort

Leitsystem des Rundgangs

Gut gefallen hat uns das Leitsystem: Am Eingang bekommt man ein Kärtchen, auf dem die verschiedenen Absolvent*innen nach einem Farbsystem geordnet waren. Jeder Ausstellungsraum hatte eine Farbe, am Boden waren farbige Pfeile verklebt. So ist der gesuchte Raum und damit auch die gesuchte Künstler*in blitzschnell zu finden. Das fällt sehr positiv auf und sieht dazu noch gut aus. Auch auf Abstand und Hygiene wird in Zeiten der Corona-Pandemie geachtet. Man muss am Eingang seine Daten hinterlassen und sich am Ausgang wieder abmelden. Die Besucher werden sorgfältig gezählt und der Einlass reguliert, so, dass nicht zu viel Gedränge im Gebäude entsteht.

Die Künstler

Zu sehen sind die Abschlussarbeiten aus den Studiengängen Malerei / Grafik, Fotografie, Buchkunst / Grafikdesign, und Medienkunst, die sich wiederum in verschiedene Fachklassen unterteilen. Die Leipziger Künstler Christoph Ruckhäberle und Annette Schröter leiten beispielsweise je eine Malerei-Klasse, die Italienerin Alba D’Urbano lehrt sogar seit 1995 an der Hochschule und betreut die Klasse Intermedia. Die meisten ausgestellten künstlerischen Positionen stammten aus dem Studiengang Medienkunst, daher möchten wir stellvertretend 2 Positionen aus diesem vielseitigen Fachbereich vorstellen.

Boa Cha

Boa Cha – Das Rascheln des Vergehenden #1

Man betritt einen dunkel gestrichenen Raum und wird sofort in den starken Duft welkender Blüten eingehüllt. Frei schwingend im Raum hängt eine große Scheibe auf der getrocknete Blumen zu einem überwältigenden Gesteck angeordnet sind. Diese hat Boa Cha, aus dem Studiengang Medienkunst bei Alba D’Urbano, in einem Zeitraum von 2 Jahren auf Friedhöfen gesammelt. Angezogen hat sie dabei vor allem das ambivalente an Friedhöfen. Dort sind die blühendsten Orte stets die, an denen gerade ein Begräbnis stattgefunden hat und das Grab mit frischen Kränzen geschmückt ist. Die deutlichste Metapher aber, für die enge Nachbarschaft von Tod und Leben, sieht sie in den welkenden Blumengestecken, die auf den Komposthaufen der Friedhöfe im Vergehen begriffen sind. Diese Haufen sind die Quelle ihrer Sammlung. Aus ihnen hat sie Blüten zusammengetragen und zu etwas neuem zusammengefügt, das zwischen Himmel und Erde zu schweben scheint. Im Sterben und doch auf unbestimmte Dauer konserviert.

Taemen Jung

Taemen Jung – Alles, was ich habe, trag ich bei mir.

Taemen Jung hat mit ihrer Diplomarbeit “Alles, was ich habe, trag ich bei mir.” ebenfalls den Studiengang Medienkunst in der Klasse von Joachim Blank abgeschlossen. In der Aula des HGB Hauptgebäudes hat sie eine gigantische Monstera-Pflanze installiert. Diese steht für sie stellvertretend für das ankommen, das Wurzeln schlagen, sich einen Raum aneignen. Taemen Jung kam, nach eigenen Angaben, nur mit einem Koffer nach Deutschland und musste bei allem auf das Nötigste beschränken. Eine Monstera, für sie Sinnbild für hippe Wohnungen aus Einrichtungskatalogen, schien gleichermaßen nutzlos wie begehrenswert und wurde zum übergroßen Symbolgegenstand. Um sich der Illusion hinzugeben, angekommen zu sein, einen Ort zu besitzen, kauft sie sich eine Monstera und trägt sie seitdem bei jedem Umzug mit sich. Dadurch müssen Dinge zurückgelassen werden, die auf den ersten Blick nützlicher und notwendiger erscheinen. Aber ist nützlich auch immer gleich sinnvoll?

Die Ausstellung der Meisterschüler*innen

Vom 14.10 bis zum 01.11. schließt sich die Ausstellung der Meisterschüler*innen an. Diese findet allerdings nicht in den Räumlichkeiten der HGB Leipzig, sondern in der a&o Kunsthalle statt. Dort werden dann 16 künstlerische Positionen der Absolvent*innen präsentiert, die im Winter- und Sommersemester ihre Prüfung erfolgreich abgelegt haben. Zu sehen sind Arbeiten aus den Fachbereichen Fotografie, Malerei / Grafik und Medienkunst. Die Meisterklassen in Malerei wurden jeweils von Christoph Ruckhäberle und Michael Riedel betreut. Die Abschlussarbeiten und zugehörige Beschreibungen werden ebenso unter Tendencies 2020 veröffentlicht.

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