Das Kapital anknabbern Sharon Kivland setzt in der HGB die Politische Ökonomie in Szene

Zunächst sieht es ein bisschen nach Naturkundemuseum aus. Präparierte Tiere dominieren den optischen Eindruck – Füchse, Eichhörnchen, Marder. Doch schon die roten Mützen, die manche tragen und auch die Textilteile oder Bücher, die anderen beigeordnet sind, verdeutlichen, dass es sich nicht um eine weitere Arbeit aus dem Grenzbereich von Kunst und Naturwissenschaft handelt. Wissenschaft spielt durchaus eine Rolle, doch nicht die Zoologie, sondern die Politische Ökonomie in der Tradition von Karl Marx.

Sharon Kivland "the natural forms part 3", Bildquelle: HGB Leipzig

Sharon Kivland „the natural forms part III“, Bildquelle: HGB Leipzig

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Schönheit als Politikum Massenandrang bei Sonnenschein zum Frühjahrsrundgang der Spinnerei

Das Wetter hat gerade noch die Kurve Richtung Frühling gekriegt. Perfekte Bedingungen also, den Spinnereirundgang als Familienausflug anzulegen. Eine gewisse Partystimmung war unvermeidlich. Zur obligatorischen Bratwurst konnte man sogar frischen Spargel genießen und Musik von Klezmer bis singender Säge hören. Sogar ein vorletzter Blick ins Bimbo Town war möglich.Geschäftsführer Bertram Schultze, der diesmal selbst mit Künstlerporträts vertreten ist, hatte wieder einmal Grund zur Zufriedenheit. Die Besucherzahlen lagen bei etwa 12.000. Man erlebte eine Zusammenstellung von Kunst, die etwas mehr Kontraste bot als mancher vorherige Rundgang.

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Wechsel der Blickrichtung Céline Germès und Florian Rosier in der Galerie Bipolar

In der Galerie Bipolar, die gemäß ihres Namens bevorzugt Paarungen von Künstlern erzeugt, scheint ein Rollentausch im medialen Verständnis stattgefunden haben. Malerei wirkt wie Fotografie, Fotos wie Gemälde. Céline Germès und Florian Rosier sind die gegenwärtig Ausgestellten, beide nach Leipzig zugewandert.

Rosier, der im holländischen Enschede studiert hat, zeigt Tafeln in düsteren Grautönen bis hin zu tiefem Schwarz. Der Angabe, dass es sich um digital ausgedruckte Fotografie handeln soll, kann man schwer glauben. Exakt und hyperrealistisch sind die Motive zwar wiedergegeben, doch auch bei ganz nahem Hinsehen sieht es aus wie sorgfältig gemachte Malerei. All die kleinen Abweichungen, die selbst mit heutiger Technik ein Foto ausmachen, wurden entfernt.

Florian Rosier "o.T."

Florian Rosier „o.T.“

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Düstere Rundschau Neue Malerei Katrin Heichels in der G2 Kunsthalle

Durch die Löcher einer Gesichtsmaske sind Augen und Mund der Person zu sehen. Doch der Kopf ist abgetrennt, liegt am Boden. Lebende Menschen fehlen in der gegenwärtigen Bildwelt Katrin Heichels. Frösche gibt es, manchmal zu dritt übereinandergetürmt. Auch ein Rabe ist da – erhängt. Und Blumen, hauptsächlich Disteln, die sich gegen die umgebende Dunkelheit durchsetzen müssen.

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Der Kuckuck als Berserker Das MdbK ist um einen umfänglichen Werkkomplex Lutz Dammbecks reicher

Herakles, dieser Überheld, lässt Lutz Dammbeck nicht los. Schon in den siebziger Jahren, als seine Kollegen sich lieber an Ikarus oder Sisyphus abarbeiteten, zog ihn der Recke mit den übermenschlichen Fähigkeiten an. Doch nicht diese etwas differierende Auswahl innerhalb der DDR-Kunst dieser Zeit allgemein beliebten griechischen Mythologie machte Dammbeck zu einer Ausnahmeerscheinung. Speziell in Leipzig, dieser großen Malerwerkstatt, musste er auffallen mit seinem früh ausgeprägten Hang zu multimedialen Konglomeraten. Nicht nur den Kunstinteressierten fiel er auf, auch kunstfernen Staatsorganen. Ohne Segen der offiziellen Institutionen mit einigen Freunden organisierte Projekte wie „Tangente 1“ und der legendäre Herbstsalon 1984 machten ihn zur unerwünschten Person. Doch selbst gegenüber Mitstreitern versuchte er stets die Eigenständigkeit gegenüber der Gruppendynamik zu bewahren. Die fast folgerichtige Ausreise in die BRD 1986 machte ihn mit den Kehrseiten der fast unbegrenzten Freiheit bekannt.

dammbeck

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Zettls Träume Neue Grafik von Baldwin Zettl in der Galerie Koenitz

Eine unbekleidete Frau räkelt sich auf einem Rasen, dessen Streifenmuster zeigt, dass er kein naturbelassenes Biotop ist. Den Körper dreht sie weg, das offene Gesicht aber dem Betrachter zu. In den Händen hält sie eine Puppe mit Tierkopf. Das erinnert an den verwandelten Klaus Zettel – welch Zufall – aus Shakespeares Sommernachtstraum, der in einer anderen Grafik der Ausstellung zu finden ist, hier als Handelnder.

Die Neigung des Kupferstechers Baldwin Zettl zu literarischen Stoffen ist nicht zu übersehen. Die Auswahl reicht vom englischen Klassiker über Georg Büchner, Carl Orff und Bert Brecht bis zum Expressionisten Jakob van Hoddis. Dass dem braven Bürger in dessen berühmten Weltende-Gedicht der Hut vom spitzen Kopf fliegt, wird in Zettls Stich eindrücklich illustriert. Doch auch da, wo keine direkten Vorlagen benannt werden oder erkennbar sind, geben sich die Blätter erzählerisch. Sogar die Landschaftsausschnitte in den zarten Silberstiftzeichnungen scheinen kleine Geschichten zu verbergen.

Baldwin Zettl "Selbst"

Baldwin Zettl „Selbst“

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Belebtes Holz Neue Arbeiten Jürgen Raibers im Galerie Hotel Leipziger Hof

Leda hat sich hübsch gemacht für den Vogel, wie ihr Gefährte im Bildtitel lakonisch genannt wird. Mit einem stolzen Schwan hat das längliche, dunkle Gebilde neben ihr tatsächlich nicht viel gemein. Sie wird schon wissen, wozu es brauchbar ist. Doch auch der Mann auf dem benachbarten Gemälde hat ein ähnliches vogelartiges Gerät zugeordnet bekommen. Nun wird die mythologische Ausdeutung noch etwas schwieriger. Bei beiden Vögeln scheint es sich eher um Holzschnitzereien als um Lebewesen zu handeln.
Jürgen Raiber liebt das Arbeiten in ausufernden Serien. Bei den neuen Werken, die jetzt im Leipziger Hof zu sehen sind, hat der Puppe als vielfältig wandelbares Thema für sich entdeckt. Auch wenn manche der Bilder private Bezüge wie „Mein alter Kasper“ benennen, geht es weniger um Reminiszenzen an die Kindheit als um die Symbolik und verschiedene Charaktere, für welche Puppen hier stehen. Es sind keine niedlichen und kuscheligen Spielzeuge. Viele machen eher einen düsteren, manchmal sogar beängstigenden Eindruck.

Jürgen Raiber: "Mann mit Vogel"

Jürgen Raiber: „Mann mit Vogel“

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Die Schönheit eines Frontex-Buttons In der GfZK wird Leon Kahane mit dem Kunstpreis Europas Zukunft 2016 geehrt

Dass Kunst Berge versetzen kann, mag eine Illusion sein. Aber nicht nur Sichtweisen auf die Welt, sondern auch Sichtachsen in Gebäuden kann sie verändern. So wurde für die Preisträgerausstellung zum Kunstpreis Europas Zukunft der Gitterboden aus der ersten Etage des Altbaus der GfZK tiefergelegt. Damit sind Durchblicke vom zentralen Saal auf die oberen Kabinette möglich.

Verknüpfungen sind Leon Kahane offenbar wichtig, aber auch Unterscheidungen. Der Preis ging vor zwei Jahren an die Dagestanerin Taus Makhacheva. Die Grenzen des im Namen des Preises benannten Kontinentes wurden damit sehr weit ausgelegt. Nun gehen die Auslober noch einen Schritt weiter.

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Zur Kunst? Bitte klingeln! Die Galerie ARTAe feiert ihr Zehnjähriges mit einer Doppelausstellung

Dass die Galerienszene in Bewegung ist, neue Namen auftauchen und andere verschwinden, spricht für die Dynamik des Kunststandortes Leipzig. Doch manche Galerien behaupten sich langfristig im rauen Markt, auch außerhalb der Spinnerei. So feiert ARTAe, nahe des Nordplatzes situiert, gerade sein zehnjähriges Bestehen mit zwei Ausstellungen.

Priska Streit: Der Nudist in der Talkshow

Priska Streit: Der Nudist in der Talkshow

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