Projektor 27/2016 Die Ereignisse der Leipziger Kunstwoche

Am Donnerstag ist eine gewisse Häufung in der ansonsten nicht so fetten Kunstwoche zu verzeichnen. Schon 14 Uhr geht es los mit einem Artist Talk in der Pilotenküche, einem der in der Spinnerei ansässigen Stipendiatenprogramme. 12 Künstler der neuen Belegschaft stellen ihre Programme vor.

18 Uhr wird gleich nebenan in Halle 14 Memory in Dialogue von Kai-Hendrik Windeler eröffnet. In der Diplomausstellung setzt sich Kai-Hendrik Windeler mit dem von seinem Vater angelegten Dia-Archiv der Familie auseinander. Mit der Fragestellung, was passiert, wenn das kommunikative Gedächtnis zu verblassen droht, untersucht Windeler die private Bildersammlung auf archivarische Methoden, verdichtet es, fügt eigene assoziative Beschreibungen an und löst das Material damit aus dem Privaten. 

Eine weitere Diplomausstellung, die von Siegfried Michael Wagner unter dem Titel Überschreibung, beginnt eine Stunde später im Projektraum des BBKL im Tapetenwerk.Wagner hat bei Peter Piller Fotografie studiert. Siegfried Michael Wagner fotografiert deutschlandweit Schuttberge, die durch Beseitigungen der Trümmer des 2. Weltkrieges entstanden sind. Seine fotografische Haltung entspricht einer topographischen Landschaftsfotografie, bei der er die Hügel aus großer Entfernung und, wenn möglich, von einem erhöhten Standpunkt aus fotografiert. Er will zeigen, wie sich die Hügel mit ihrer „unsichtbaren Bedeutung“ in die Landschaft oder Stadtlandschaft einfügen. Wagner sagt, er sieht die Hügel auch als künstlich geschaffene Phänomene in der Landschaft, die nach wie vor auf den Krieg verweisen.

Siegfried Michael Wagner - Herkulesberg - Köln, 2015, Bildquelel: BBKL

Siegfried Michael Wagner – Herkulesberg – Köln, 2015, Bildquelel: BBKL

Schließlich gibt es am Donnerstag ab 21 Uhr im Kulturny Dom Lipsk/Salon Similde die Performance False Floor Installation von Josefien Cornette zu sehen. Es wird darauf hingewiesen, dass die Veranstaltung pünktlich beginnt!

Am Freitag wird 18 Uhr Land of Plenty mit Arbeiten Ulrike Theusnes in der Galerie Dukan eröffnet. Eine Stunde später beginnt Narrativ 89 im Interim, Demmeringstraße 34. Die Gruppenausstellung findet außerdem in Handstand & Moral, Merseburger Str. 88b und Showbox, Georg-Schwarz-Str. 34, statt. Auch 27 Jahre nach den Ereignissen ist umkämpft, wie wir 1989 erinnern. Wer erzählt was darüber – mit welchem Interesse? Studierende der HGB Leipzig setzen sich seit April 2015 mit dem Narrativ 89 auseinander. Ausgangspunkt war ein Widerspruch: auf der einen Seite wurde das 25-jährige Jubiläum der Friedlichen Revolution als Aufbruch in eine demokratische Gesellschaft gefeiert. Auf der anderen Seite zeichnete die historisch niedrigste Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl Sachsens 2014 ein anderes Bild. Und: nach zwei Monaten Erinnerungsmarathon brach mit Pegida eine rechte Protestbewegung los, die durch Kopie von Ritualen und Slogans den Herbst 1989 für sich zu vereinnahmen sucht.

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