Mit und ohne Schminke Das Deutsche Fotomuseum würdigt Peter Langners Lebenswerk

Ohne ihn gäbe es die Institution nicht, die seit dem Umzug in das repräsentative Gebäude in Markkleeberg den stolzen Namen Deutsches Fotomuseum trägt und tatsächlich überregional ausstrahlt. Peter Langner hat die Sammlung von Fotografien und Kameras aufgebaut. Doch der 1994 gestorbene Langner war auch selbst Fotograf, hat das Fach an der HGB von 1967 bis 1972 studiert. Zu seinem 70. Geburtstag widmet ihm nun das Museum eine Werkschau.

Peter Langner, Klaus Renft, Eilenburg, 1973

Peter Langner, Klaus Renft, Eilenburg, 1973

Im Brotberuf war er Sportfotograf, zudem hat er die legendäre Leipziger Klaus-Renft-Combo mit der Kamera begleitet. Die für die Ausstellung ausgewählten Sportbilder unterscheiden sich deutlich von tagesaktuellen Reportagen. Vielmehr hat Peter Langner versucht, Freude und Qual dieser Beschäftigung in zeitloser Gültigkeit darzustellen. Ganz vom Geist der Siebziger getränkt sind aber die Bildnisse der langhaarigen Musiker.

Peter Langner, Kleiner Turner, Leipzig, 1972

Peter Langner, Kleiner Turner, Leipzig, 1972

Wie bei einer Werkschau üblich werden verschiedene Arbeitsgebiete angerissen. So findet man einige Landschaften in hartem Schwarzweiß ebenso wie Milieustudien. Bei den Porträts schöner Frauen ist er ganz dicht heran gegangen und hat enge Ausschnitte gewählt. Ohne Beiwerk muss das Gesicht allein für die Persönlichkeit sprechen. Die Fotos sind durchweg sehr professionell gemacht, heben sich aber nicht durch Besonderheiten von den Arbeiten vieler Kollegen dieser Zeit ab. Besonders deutlich wird das bei den Aktstudien, die man auch Günter Rössler zuschreiben könnte.

Mit einer umfangreichen Werkgruppe aber hat Langner etwas Herausragendes geschaffen – den „Verbotenen Fotos“, die der Ausstellung den Titel geben. Nach dem Studium fand er eine Wohnung in einer schäbigen Mietskaserne in der Reudnitzer Kirchhoffstraße, wo er auch sein Atelier einrichtete. Über Jahre nahm er immer wieder das heruntergekommene Ambiente und die Bewohner des Hauses auf. Während bei manchen Fotoserien aus der späten DDR-Zeit nostalgischer Charme dominiert, jenes Gemütlichmachen in der Nische, sind Langners Bilder eine bittere Bestandsaufnahme ohne Verniedlichungen. Das unterscheidet diese Werkgruppe auch von einigen eigenen Arbeiten, wo er etwa der kaputten Bergbaulandschaft um Sangerhausen, seiner Heimat, noch romantische Blickwinkel abgewinnen konnte.

Fritz und Gerda, ein altes Paar, steht im Mittelpunkt der Serie. Ihre Lebensumstände würde man heute mit dem modischen Attribut prekär bezeichnen. „Abgebrannt“ steht unter einer Konfrontation von zwei Bildern. Damit können die Kerzenstummel ebenso gemeint sein wie Gerda. Dennoch sind Reste von menschlicher Würde in den Augen erkennbar, gerade auch dann, wenn die Seniorin nackt posiert. Und wenn sie mit einem Jugendlichen im Hof tanzt, scheinen doch noch Momente des kleinen Glücks auf.

Peter Langner, Gerda, aus der Serie Verbotene Fotos, Leipzig, 1976

Peter Langner, Gerda, aus der Serie Verbotene Fotos, Leipzig, 1976

Die Obrigkeit drohte Peter Langner mit Konsequenzen, würde er die Aufnahmen öffentlich zeigen. Zu weit waren sie vom verordneten sozialistischen Menschenbild entfernt, zu nah an der Realität dran. Heute sind die „Verbotenen Fotos“ ein soziologisches Zeitdokument und zugleich Kunstwerke eines leidenschaftlichen Fotografen und Sammlers.

(Erstveröffentlichung in der Leipziger Volkszeitung, 25.03.2016)

Deutsches Fotomuseum Markkleeberg, Raschwitzer Straße 11
bis 9. April, Di-So 13-18 Uhr

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